Testbericht: Olympus OM-D EM1 II

Olympus OM-D EM1 II - erster Test

 

Wenn Geschwindigkeit zählt ...

 

 

Vor einiger Zeit habe ich von Olympus Österreich eine Einladung erhalten, um in Andalusien einige ihrer neuen Produkte, gemeinsam mit ein paar anderen ausgewählten Fotografen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, exklusiv vorab testen zu dürfen.

Besonders im Fokus stand dabei natürlich das neue Kameraflaggschiff: Die OM-D EM 1 Mark II. Und ich habe sie auf Herz und Nieren getestet. Lest selbst. 

 

 



Testbericht

 

Ich verwende seit Dezember 2015 zusätzlich zu meiner Nikon Ausrüstung auch Systemkameras der Firma Olympus. Ich freue mich auch seit Jänner 2016 Olympus Botschafter zu sein und somit  Vorab-Informationen zu bekommen, Test-Equipment für meine Fotoworkshops zu erhalten und einen tollen Support genießen zu dürfen. Dazu werde ich bestimmt noch einen eignen Blogartikel schreiben. Vor allem will ich aber auch meine Erfahrungen mit der EM-5 Mark II die ich auch bei unserer über 1-monatigen Afrikareise unter teilweise wirklich sehr harten Bedingungen (Sandstürme, Hitze etc.) ausgiebig testen durfte, mit Euch teilen. Dazu aber ein anderes mal mehr. Nur kurz dazu:

 

Ich kenne das gesamte Olympus OM-D Programm sehr gut, denn ich habe alle Kameras (die erste OM-D EM 1 die EM5 Mark II sowie die EM10 Mark II jeweils für einige Wochen bzw. Monate zum Test bei mir zuhause bzw. auch auf Reisen im Einsatz gehabt. 

 

Auch wenn ich „Olympus Ambassador“ bin und hin und wieder mal eine Kamera zur Verfügung gestellt bekomme, möchte ich trotzdem sagen, dass ich von Olympus nicht bezahlt werde und auch nicht verpflichtet bin, diese Blogartikel zu schreiben. Ich sage und schreibe auf diesem Blog meine ehrlichen Erfahrungen und auch durchaus kritische Meinung, denn nur so kann man glaubwürdig bleiben. Und das möchte ich für Euch sein. 

 

Olympus hat mich also eingeladen, den kalten österreichischen Temperaturen zu entfliehen und eine ganze Hazienda in der Nähe des Örtchens Ronda gemietet und mit allerlei Testaufbauten ausgestattet. Es war total spannend, andere Profifotografen zu treffen und sich über die verschiedensten Themen (auch weit über Olympus Produkte hinaus) auszutauschen. Jeder von ihnen hat so seine eigenen beruflichen Schwerpunkte. Sei es einen der bekanntesten deutschsprachigen Streetfotografen (Thomas Leuthard), Landschaftsfotografen, aber auch Fashion-, Sport-, Wildlife-  oder Familienfotografen zu begegnen. 

 

Es soll in diesem Artikel nicht darum gehen, jedes einzelne Feature zu erklären, sondern vielmehr um einen ersten subjektiven Erfahrungsbericht zu dem mit Spannung erwarteten neuen Kameramodell.

 

Neben der der etwas höheren Auflösung von 20,4 Megapixel war für mich vor allem das Thema Geschwindigkeit sehr spannend erwartet. Vor allem was den Autofokus anbelangt. Dies war für mich die bislang größte Schwachstelle der spiegellosen Kameras. Bei ruhigen Motiven gibt es keine Probleme, aber sobald sich das Motiv bewegt, war der Fokus aller bisherigen Olympus OM-D Kameras bislang zu langsam für mich und meine Art der Fotografie. 

 

Hier in Andalusien gab es dazu einige Test-Szenerien: Pferde im wilden Galopp, fliegende Greifvögel, stampfende Stiere sich bewegende Menschen und vieles mehr. Deswegen zu den wichtigsten Punkten.

Bildsensor

Die Kamera ist mit einem neuen CMOS 20,4 Megapixel Sensor ausgestattet. Ein meiner Meinung nach sinnvoller Schritt, da eine höhere Auflösung zur Zeit für einen Micro 4/3 Sensor einfach zu viel des Guten wäre. Ich habe keinen großartigen Lowlight Test gemacht, aber ich würde sagen, das Rauschverhalten entspricht bei gestiegener Auflösung in etwa dem Vorgänger-Modell. Der neue True Pic VIII Bildprozessor arbeitet sehr gut und schafft auch eine verbesserte Rauschminderung, da ich jedoch immer im RAW Format arbeite, hat das für mich eher weniger Bedeutung. 

Autofokus

Und was soll ich sagen? Ich bin ehrlich beeindruckt. Wie der Vergleich ganz genau  zu meinen Spiegelreflexkameras ist, kann ich momentan noch nicht sagen und ist mir ehrlich gesagt auch nicht so wichtig.

Denn eines ist sicher: Der Autofokus ist absolut top. Für mich als primär Menschenfotografen ist der Autofokus auf jeden Fall schnell genug. Aber auch die Wildlife Experten (und es waren einige dort) waren absolut verblüfft und begeistert.  Es gibt die verschiedensten Modi. Ich persönlich verwende aber hauptsächlich den „klassischen“, kontinuierlichen Autofokus mit nur einem Messfeld, oder einer kleinen von mir gewählten Messfeld Gruppe. Ich entscheide einfach zu gerne selber wo die Schärfe liegen soll, das überlasse ich eigentlich nie der Kamera. ;-)

 

Und der Fokus sitzt wirklich sehr gut. Auch bei Dunkelheit. Ich bin wirklich überrascht und freue mich, dass dieser Kritikpunkt nun ENDLICH der Vergangenheit angehört. Und das Schöne ist, dass diese frei wählbaren Fokusfelder auch komplett bis zum Bildrand bewegt werden können. Also nicht alle eher mittig angeordnet sind, wie bei den DSLR-Kameras. Da hat Olympus bei den spiegellosen Kameras wirklich etwas vorgelegt.

 

Serienbilder und Co 

Aber nicht nur was den Autofokus anbelang,t setzt die OM-D EM 1 Mark II neue Maßstäbe. Im RAW Modus und dem erwähnten tollen, kontinuierlichen Autofokus schafft diese Kamera 18 Bilder/sec. Ein Wert, bei dem alle Spiegelreflexkameras neidisch werden.

 

Benötigt man den kontinuierlichen Modus nicht, weil beispielsweise das bewegende Motiv die Entfernung zur Kamera nicht verändert oder der Schärfentiefebereich groß genug ist, dann schafft diese Kamera sogar bis zu 60 Bilder/sec. Unfassbar.

Wenn man versehentlich auf den Auslöser drückt und länger darauf bleibt, wird man jedoch bald verwundert sein, weshalb die Speicherkarte bald voll ist. Oder man merkt bei der nachträglichen Bildauswahl am Computer, dass wohl diese Funktion aktiviert war und erhält hunderte gleiche Bilder von einem sich nicht bewegenden Stein ;-) 

 

Ein ganz besonderes Highlight in diesem Zusammenhang ist die neue Funktion „Pro Capture“. Damit man nämlich nicht unzählige Fotos mit den 60 Bildern/sec sinnlos aufnimmt, zeigt sich die Kamera in diesem Modus äußerst intelligent und hilfreich. Sobald man den Auslöser halb herunterdrückt, werden die letzten 14 Bilder intern gespeichert, ohne dass damit aber die Speicherkarte belastet wird. Drückt man dann den Auslöser ganz und macht die Bilder, hat man also die 14 Bilder davor auch noch. Wofür fragt ihr Euch? Manchmal gibt es Situationen, da wartet man auf den richtigen Moment, aber er kommt dann sehr schnell und man ist vielleicht um die Nuance zu spät. Hier nicht. Als Beispiel gab es einen Aufbau mit Luftballons, welche von einem Bogenschützen zerplatzt wurde. Man selbst wäre viel zu spät, würde man erst beim Knall auf den Auslöser drücken. So aber hat man auch noch die letzten Bruchteile einer Sekunde davor, ohne die Speicherkarte zu belasten. Das funktioniert wirklich!! Kinderleicht.

 

Diese 60 Bilder pro sec braucht man natürlich nur sehr selten. ABER wo es auch für mich eventuell interessant wird, ist in Kombination mit Video. Denn da hat man mit 60 Bilder/sec wirklich die Möglichkeit, soweit die Verschlusszeit des einzelnen Bildes passt, „echte Einzelbilder“ in hoher Auflösung herausziehen. Das Thema Geschwindigkeit wird also, so glaube ich, in Kombination aus Video und Fotos sehr interessant und ergeben völlig neue Möglichkeiten. Sehr spannend! Ich werde bestimmt das eine oder andere ausprobieren.

Bildstabilisator

Olympus war meiner Meinung nach schon immer der Hersteller, der den besten Bildstabilisator am Markt hat. Da hätte ich nicht viel mehr gebraucht. Bis ich den neuen 5-Achsen Bildstabilisator gesehen habe. Beim Fotografieren bin ich ja eher ein "Wackelkandidat" und schätze es mit schnelleren Verschlusszeiten zu hantieren. Aber es gelang sogar mir scharfe Bilder im mittleren Brennweitenbereich mit einer Verschlusszeit von ca. 1/15sec aufzunehmen. Damit kann man durchaus das etwas höhere Rauschen im Vergleich zu Vollformatkameras teilweise ausgleichen. Gerade mit den neuersten Olympus Objektiven sollen hier bis zu 5 Blendenschritte möglich sein. Das habe ich jedoch nicht wirklich für Fotos getestet. Besonders beeindruckend ist der Effekt aber beim Video.

 

Video

Die OM-D EM1 Mark II  bietet nun auch 4K. Keine große Überraschung, aber gut, dass es funktioniert. Was ich mir erwartet bzw. erhofft hätte, wären - ähnlich wie bei Panasonic - höhere Framerates gewesen. Was aber der größte Pluspunkt bei Videos ist, das ist der bereits erwähnte Bildstabilisator. Wir arbeiten ja immer wieder mit Hand-Gimbals für die Stabilisierung. Und auch wenn das Freihandfilmen mit der EM1 Mark II da nicht ganz heran kommt, sind die Ergebnisse schon wirklich verblüffend. So habe ich ein Video gemacht, während ich in einem wackelnden Geländewagen gesessen bin und galoppierende Pferde gefilmt habe. Und die Ergebnisse sind wirklich sehr brauchbar. Das hätte ich vorher nicht gedacht.

 

Sonstiges

Wie gesagt waren die 2 Tage bestimmt nicht lang genug, um alle neuen Features ausgiebig zu testen. Auch interessiert es mich weniger, alle Einstellungen und Veränderungen zu beschreiben, sondern die Merkmale herauszuholen, die ich für besonders spannend halte.

Was es sonst noch zu sagen gibt, dass die Kamera, wie für Olympus üblich, sehr robust und wetterfest gebaut ist. Ich bin mir sicher, sie hält, wie schon die Kameras, die ich habe, einiges aus. Auch der Sucher ist noch einmal besser geworden. Ein elektronischer Sucher hat seine Vor- und Nachteile, diese entwickeln sich aber sehr rasant weiter, sodass ich damit mittlerweile eigentlich gar keine Probleme mehr habe. Die EM 1 Mark 2 hat 2 Speicherkarten Slots für SD Karten einer davon ist auch UHS-II kompatibel. Ich habe das nicht genau getestet, aber ich glaube man braucht so eine, um diese extremen Datenmengen bei den hohen Serienraten in den Griff zu bekommen. 

 

Es gibt einige interessante neue Objektive bei Olympus. Vor allem auch das 25mm Fixbrennweitenobjektiv mit einer maximalen Öffnungsblende von 1.2. Dies ermöglicht eine für den kleinen Sensor wirklich sehr schöne Tiefenunschärfe und entspricht vom Bildwinkel her einem 50mm Objektiv auf Vollformat. Ich hatte das Objektiv aber leider nur für ein paar wenige Aufnahmen, dazu wird es in Zukunft sicher noch einen eigenen Blogpost geben, denn dieses Objektiv interessiert mich sehr! Aber ein bisserl was kann man denke ich schon hier bei den 2 schnellen Schnappschüssen erkennen. Die Freistellung ist schon ganz anders als mit Blende 2.8! ;-)

Fazit

Die Kamera wird sich natürlich erst in der Praxis beweisen müssen, aber der erste Eindruck ist schon verblüffend. Spannend und richtig finde ich, dass Olympus versucht, neue Wege zu gehen und Features anzubieten, welche mit andern Systemen (z.B. Spiegelreflexkameras) gar nicht denkbar wären. Ich glaube jeden Spiegel würde es da mit 60 Bildern/sec zerfetzen. ;-)

Bestimmt sind diese Eigenschaften nicht für jeden sinnvoll. Ich denke aber, dass sich die gesamte Fotografie, besonders im Zusammenhang mit Video, in den nächsten Jahren extrem verändern wird und wir erst am Anfang stehen. Da werden sich Dinge ergeben, an die man momentan noch gar nicht denken kann.

 

Aber auch für klassische Fotografen hat Olympus ihre Hausaufgaben gemacht und auch diese Bereiche stetig weiterentwickelt. Besonders den Autofokus gilt es hier zu loben, der nun wirklich sehr gut arbeitet und keinen Nachteil zu anderen Systemen mehr bietet.

 

Ich werde in den nächsten Wochen auf jeden Fall auch einen ausführlicheren Blogartikel schreiben oder ein Video aufnehmen, wo es generell um die Unterschiede zwischen spiegellosen- und Spiegelreflex- Kameras geht, bzw. wird auch bestimmt etwas bezüglich der unterschiedlichen Sensorgrößen kommen.

Genau da ergänzen sich nämlich die beiden Varianten Nikon Vollformat und Olympus Micro 4/3 extrem und man kann die Vor- und Nachteile jeweils sehr gut erkennen.

 

Wenn Ihr generell informiert bleiben wollt was wir so treiben sowie auch exklusiv 3x 5 Tipps für bessre Fotos erhalten möchtet, tragt Euch doch bitte in unseren Newsletter ein. Da wird es auch immer wieder mal spezielle Vorab-Infos und auch Aktionen geben. Es lohnt sich also für Euch. ;-)

 

Wir freuen uns auf Euch und hoffen Euch interessante Themen bieten zu können. Viel Spaß beim Mitgestalten und Dabei sein auf unseren Seiten:


Ähnliche Artikel

Weiter zu:

BLOG - GESAMT

 

 

Weiter zu:

FOTOBLOG



Kommentar schreiben

Kommentare: 0